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Klaus-Günter Schultz · musikalische Beruf(ung)

Emotionen (Folk-Rock-Jazz, 1980 - 1982)

Wieder war es Franz Bergmann, durch den meine Band (dieses Mal Polyphem) ein Ende fand: Er stellte Christoph Neuhäusler und mir den Gitarristen und Geiger Heinz Lebermann sowie den Gitarristen Matthias Holzapfel vor. Deren Idee war es, mit eigenen Songs aus den Bereichen Folk, Rock und Jazz heraus zu kommen. Auch Regina Götze (Regina + Klaus) fand Gefallen daran und stieg mit ein.

Emotionen beim Pop-Nachwuchs-Festival 1981

Wir hatten ziemlich schnell die ersten fünf Stücke zusammen: Der Weißbeer Fox war ein swingender Jazz-Standard mit einem albern angelegten benglischen (bayrisch-englischen) Text, beschwingt, heiter und witzig. A song of innocence basiert auf einem Gedicht von William Blake, das ich Anfang der 70er im Renaissance-Stil vertont hatte.

Kreta-Gedanken entstand auf Heinz' letzter Reise und war zunächst als griechisch angehauchtes Instrumentalstück angelegt. Den Schluss dominierte Christophs Solo auf dem Mini-Moog; so etwas hatte ich nur noch von Keith Emerson † gehört (ich kann die Melodie noch heute auswendig).

Einer von uns hatte einen unangenehmen Besuch in der Münchner Zahnklinik, woraufhin das Latin-Jazz-Stück Zahnklinik-Bossa mit einem Dida-Text entstand. Unser fünftes Stück schließlich hieß Take four, welches Christoph und ich bereits im Roland Weitze Quintett erfunden hatten. Wie Take five steht es im 5/4-Takt, nur im Mittelteil geht es – wie es der Titel verlangt – mit 4/4 zur Sache.

Bereits zwei Monate nach Band-Gründung gingen wir mit den fünf Titeln ins Studio Pasing, um Demos aufzunehmen. Dabei hatte ich Gelegenheit, die Gitarren-Parts des Song of innocence auf einer Martin einzuspielen – toll. Nun war ich ja durch meine Altec-Monitore daheim schon klangverwöhnt, aber beim Probehören der verschiedenen Takes über die Studio-Monitore von Tannoy flogen mir fast die Ohren weg – wow...

Kurze Zeit später war ich für zwei Wochen in Dubrovnik, um mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Dort entstand mit Die Katze und die Rose ein sehr persönliches Lied. Den Namen der Insel im Lied, nämlich Korčula, schlug ich als Bandnamen vor, doch wir nannten uns dann, etwas weniger persönlich, Emotionen.

Im Mai war unsere Band Studiogast der B3-Hörfunksendung Spielbar mit Erwin Weigel und Anette von Aretin, in der wir das Lied live spielten. – Can't you see a symphony of a quiet and silent night war der Arbeitstitel eines weiteren Stückes, das beim Jammen im Proberaum entstand.

Dann bekamen wir die Nachricht, dass Emotionen unter den sechs Interpreten von 300 Bewerbern seien, die in der Rubrik Folk Lied Song beim Würzburger Nachwuchs-Festival POP '81 mitmachen! Veranstalter war die Deutsche Phono-Akademie e. V. Wir hatten noch drei Monate Zeit bis dahin, aber der Ehrgeiz war groß und der Erfolgsdruck nahm zu, worunter das Klima in der Band ziemlich litt.

Uns fehlten die Texte für Kreta-Gedanken und Symphony. Ich weiß nicht mehr, wie das zustande kam: Christophs damaliger Schwiegervater Prof. Heinz-Rolf Lückert † verfasste für uns zwei simple und doch geniale Texte (ich erlaubte mir später, sie ins Englische zu übertragen). Aus Symphony wurde Farbenspiel (Die bunten Gitarren). Wir entschlossen uns, beide Stücke im Münchner Hansa-Studio einzuspielen.

Die Veranstaltung in Würzburg (siehe Plakat, welches heute unseren Flur ziert) lief für uns so einigermaßen. Einen Preis bekamen wir nicht, aber eine bekannte Münchner Brauerei zeigte Interesse am Weißbeer Fox (ist leider nix daraus geworden). Das Festival wurde als Aufzeichnung eine Woche später im Fernsehen gesendet.

Plakat Pop-Nachwuchs-Festival 1981

Emotionen habe ich in guter Erinnerung, und die Stücke aus den Studios, der offiziellen Schallplatte sowie der Fernseh-Aufzeichnung höre und schaue ich mir heute noch gerne an. Leider hatte ich es damals versäumt, mich um die Master-Bänder der Studios zu bemühen und muss mich deshalb mit gerippten und digital aufbereiteten Kassetten-Aufnahmen begnügen.

In der damaligen Zeit wurden politische Liedermacher, die in der bundesdeutschen Friedensbewegung aktiv waren, im Bayrischen Rundfunk niedergemacht, verhöhnt, ihre Ideale in den Schmutz gezogen. Ich erinnerte mich an den Kommentar des Capital-Chefredakteurs Ludolf Herrmann zur Friedens-Demo in Bonn am 10. Juni 1981, in dem er die Teilnehmer (mich eingeschlossen) als kleine rachitische Seelen in pickeligen Körpern titulierte.

Während eines Konzertes von Hannes Wader beschloss ich, nunmehr politische Musik zu machen und Emotionen zu verlassen. Gemeinsam hatten wir nur noch einen Auftritt in Christophs Gymnasium. Hier sang Regina als neues Lied On Broadway von den Drifters; andere Stücke weiß ich nicht mehr. Danach ging es für mich weiter mit Tix & Co.